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Erkrankungen der Kiemen

Als Larve atmet der Fisch noch durch die Haut, bis sich während des Wachstums gezwungenermaßen die Kiemen bilden. Sie sind eine Vergrößerung der Hautoberfläche und bestehen aus Kiemenbogen, zwei Primärlamellen und vielen Sekundärlamellen. Ein Koi hat fünf Kiemenbögen, seine Primärlamellen bestehen aus Knorpel. Die Primärlamellen liegen waagerecht zur Länge des Fischs und senkrecht auf den Primärlamellen stehen die Sekundärlamellen. Somit entsteht eine enorme Flächenvergrößerung. Durch die Kiemenbögen laufen die Kiemenbogenarterien, welche in viele kleine Arterien in die Primärlamellen übergeht.

Durch die Strömung entgegen des Wassers kann fast der gesamte Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen werden, wobei gleichzeitig fast 75% des Ammoniums abgegeben werden können. Die Wasserströmung wird durch nicht synchrone Vergrößerungen und Verkleinerungen der Mund- und Kiemenhöhlen herbeigeführt. Der Fisch nimmt mit dem Maul Wasser auf und presst es durch die Kiemen. Seine Atmung ist sehr viel effektiver als die der Säugetiere, da die Strömung nur in eine Richtung geht.

Der Körper nutzt die Kiemen auch zur Aufnahme von Salzen und zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts. Eine gesunde Kieme ist rot und die Lamellen sind symmetrisch angeordnet.

Typisches Verhalten bei Kiemenproblemen

  • Schnellere Atmung
  • An der Oberfläche „hängen“
  • Scheuern
  • Husten
  • Einseitiges Atmen
  • Offenstehende Kiemendeckel

Typische Merkmale der kranken Kiemen

  • Braune/lilane Färbung
  • Weiße Trübung/weiße Flecken
  • Grüne/weiße Drähte
  • Krumme Kiemendeckel
  • Fehlender flexibler Hautrand

 

Ursache für Kiemenerkrankungen können in zwei Arten unterschieden werden: in infektiöse und nicht infektiöse Ursachen.

 

Nicht infektiöse Ursachen

  • Teichmanagementfehler, wie z.B. zu wenig Sauerstoff, zu hoher Besatz, Medikamentenmissbrauch, oder die falsche Futtermenge.
  • Ammonium, das Verletzungen der Kiemen verursacht sowie manchmal eine Lilafärbung. Eine schnelle Atmung und sogar Verluste von Fischen können von Ammonium verursacht werden.
  • Organische Verbindungen, z.B. Medizin wie Malachitgrün, können Sauerstoffmangel verursachen, da sich die Stoffe nicht mehr aus den Kiemen lösen.
  • Chlor verursacht eine Trübung der Kiemen und Kiemenfäule, was zu Sauerstoffmangel und Tod führt.
  • Nitrit verändert das Hämoglobin, sodass kein Sauerstoff mehr transportiert werden kann. Auch das führt zum Fischsterben.
  • Vitamin- oder Mineralienmangel kann zu Blutarmut und bleichen Kiemen führen, nicht selten sogar zum Tod.
  • Schwermetalle können Schwellungen von Haut und Kiemen, sowie Wucherungen verursachen. Je nach Lage am Körper kann das zum Tod führen.
  • Auch Tumore sind nicht zu vernachlässigen, da sie in Schilddrüse und Kiemen häufig vorkommen und Verluste nach sich ziehen. Frühzeitig sind sie meist durch abstehende Kiemen zu erkennen.

Infektiösen Ursachen

  • Von Parasiten ausgelöste Primär- und Sekundärinfektionen, wie die Weißpünktchenkrankheit. Der Fisch ist übersät mit weißen Punkten und einer dicken Schleimschicht auf den Kiemen. Die Trichodinose führt zu Wunden auf der Haut und ist durch das Mikroskop auf Grund ihrer Rädchenstruktur zu identifizieren.
  • Costiose verursacht eine beschleunigte Atmung, apathisches Hängen und einen weißen Schleier.
  • Der Kiemenwurm lebt auf Haut und Kiemen und führt zu schwerwiegenden Atmungsstörungen und Sauerstoffmangel, was zum Tod führen kann.
  • Der Ankerwurm ernährt sich vom Kiemenepithel und ist ein Blutsauger. Er verursacht starkes Scheuern.
  • Von Bakterien werden meist Atmungsstörungen, Husten, offenstehende Kiemendeckel und Apathie ausgelöst.
  • Bei einem Pilzbefall färben sich die Kiemen meist grün oder braun (je nach Pilzart). Das Kiemengewebe stirbt ab und der Fisch erstickt.
  • Bei Viren gilt es zu überlegen, ob nicht besser der gesamte Fischbestand abgetötet wird. Das Koi-Herpes-Virus beispielsweise lässt sich nicht abtöten, der Fisch bleibt Überträger und kann unter verschiedenen Ausbrüchen leiden. Lymfocytis dringt in Wunden ein und bildet dann eine weiße Beule, zu vergleichen mit den menschlichen Masern.

Schäden an den Kiemen können auch bereits im jungen Alter entstehen. Durch die Wasserqualität und die Ernährung kann Kiemenerkrankungen vorgebeugt werden.

 


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